Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

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"Gott ist Liebe“

Gedanken zum Monatsspruch für August 2018:

 Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4,16)

 Dieser Satz bündelt gleich einem Brennglas die Quintessenz der Jesusbotschaft zu dieser verdichteten Aussage: Gott, die tiefste Wirklichkeit des Lebens, ist Liebe. Und in dem Maße, wie der  Mensch aus der Haltung der Liebe „sich zum Leben verhält“, lebt er im Einklang mit Gott.

„Liebe“ meint hier jene Daseinshaltung, in der der einzelne sich selbst und seine Interessen nicht zum „Nabel der Welt“ macht, sondern auch die Lebensinteressen der Mitwelt ernstnimmt.

So äußert sich Liebe vor allem als „Mitgefühl“:

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ – schreibt der Apostel Paulus (Römerbrief 12,15).

Mitgefühl bezeichnet allerdings mehr als bloßes Gefühl: Mitgefühl ist eine handfeste Lebenseinstellung, die gegebenenfalls auch zum helfenden Handeln führt.

Weil die Liebe freimacht von egoistischer Selbstbezogenheit, ermöglicht sie Gelassenheit. Wer gelassener ist, wird nicht mehr so leicht zum „Spielball“ eigener Empfindlichkeiten und ich-süchtiger Leidenschaften. Aus solcher Gelassenheit wachsen innere Stärke, Geduld, Beharrlichkeit, Beständigkeit, Treue:

„Die Hauptbestandteile eines guten Charakters sind Treue und Mitleid.“ – formuliert Carl Hilty. Treue und Mitleid (im Sinne von Mitgefühl!) charakterisieren die Haltung der Liebe.

„Gott ist Liebe.“: Diese neue Botschaft hat damals den biblischen Gottesglauben „revolutioniert“, hat traditionelle Gottesvorstellungen hinter sich gelassen, hat einen ganz neuen Zugang zur Wirklichkeit Gottes erschlossen:

Gott gleicht demnach weniger einem orientalischen Despoten, der kraft seiner Allmacht ständig nur richtet, straft und belohnt. Die Wirklichkeit der Liebe Gottes sprengt solche verengten Bilder und ermöglicht Räume der Freiheit, des Vertrauens und der Heilung: „Gottes Liebe ist viel geheimnisvoller, als wir denken. Gott überläßt den Ratschlüssen der Menschen wesentlich mehr, als wir meinen. Und Gott ist stets präsent – auch in seinem Schweigen.“ – so Martin Scorsese.

Ob dieses Neue in seiner Tragweite auch wirklich immer begriffen wurde und begriffen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Sich tragen lassen:

(Gedanken zum Monatsspruch für Mai 2018)

 

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1)

 

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort „Glauben“ im Sinne von „Für-wahr-Halten“ verwendet: Man glaubt, daß eine bestimmte Behauptung wahr sei. Das betrifft jede Aussage, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen läßt: Hier bleiben nur drei  Möglichkeiten: entweder der Behauptung Glauben zu schenken oder diese Aussage als Unsinn abzutun. Die dritte Möglichkeit ist das Hin-und Herschwanken zwischen dem Für-wahr-Halten und der Ablehnung einer Behauptung: Dann zweifeln wir an dem Wahrheitsgehalt der Aussage. Der Zweifelnde möchte vielleicht gerne der Botschaft glauben, aber er kann es nicht – jedenfalls nicht hundertprozentig.

Nun verwendet die Bibel das Wort „Glauben“ zumeist in einem wesentlich grundsätzlicheren Sinn: nämlich in der Bedeutung von „Vertrauen“. Wörtlich übersetzt bedeutet das biblische Wort für Vertrauen: „sich tragen lassen“ oder „sich stützen auf“, meint also: sich vorbehaltlos einlassen auf Gottes Treue.

Von hier aus erscheint das Gottvertrauen als eine passive Haltung, als ein Verzicht auf eigenes Absichern: Denn der Glaubende muß sich an keinen Halt angstvoll festklammern, da er sich doch von Gottes Liebe gehalten weiß. Glaube erweist sich hier als Gelassenheit, als ein „Loslassen“ von trügerischen Sicherheiten, als ein „Sich-selbst-Loslassen“, um sich ganz und gar der Wirklichkeit Gottes zu überlassen.

In diesem Zusammenhang wäre der Zweifel dann alles, was den Glaubenden an dieser vertrauensvollen Gelassenheit hindert. Die Zweifel sind dann alle inneren Widerstände, die davon abhalten, sich ganz auf Gottes Liebe zu stützen.

Diese Widerstände gehören zwar zu unserem Menschsein. Geheilt oder wenigstens gelindert werden sie zuguterletzt einzig durch die eigene Erfahrung dieser tragenden Lebenskräfte.

Dazu abschließend ein Wort von Else Rautenberg-Marx:

„Wir tanzen auf dem Seil der Welt – doch jeder, der versagt und fällt, fällt in ein Netz, weit ausgespannt – fällt tief hinein in Gottes Hand.“

Mit diesen Gedanken grüßt Sie ganz herzlich – Ihr Pfarrer Christof Schumann.