Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

Willkommen bei der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

 

Reformationskalender

In diesem Jahr begleitet uns eine neue Reihe zum  Thema Reformation. Ereignisse, Personen oder andere Gegenstände, die im engeren oder weiteren Sinne mit dem Reformationsgeschehen zu tun haben, sollen in den Blick genommen werden. Dabei orientieren wir uns (nach Möglichkeit) an den Terminen des Jahres, so dass eine Art „Reformationskalender“ entfaltet wird.

 

 

Die „Confessio Augustana“

 

 

 

 

 

Innerhalb dieser Bekenntnisschrift ist der 4. Artikel von zentraler Bedeutung. Dieser gilt als der „Schlüssel“ für das Verständnis aller anderen Artikel. Er trägt die Überschrift: „Von der Rechtfertigung“. Die Rechtfertigung, nämlich daß der Mensch vor Gott bestehen kann, ist demnach unverdiente Gnade. Das heißt: Schuldvergebung und Gerechtigkeit vor Gott vermag kein Mensch sich selbst zu verdienen. Schuldvergebung und Gerechtigkeit vor Gott kann der Mensch sich nur schenken lassen. Mit anderen Worten: Selbsterlösung, Selbstrechtfertigung, Selbstheilung sind nicht möglich. Das Heil geht von Gott aus. Durch Jesus Christus handelt Gott an uns und für uns vergebend und erlösend.

Wenn alle übrigen Artikel von diesem 4. her zu verstehen sind, so gilt das besonders für den 20. Artikel mit der Überschrift: „Vom Glauben und den guten Werken“. Dieser Artikel geht auf den Vorwurf ein, die Reformatoren würden sich auf die „billige Gnade“ verlassen und darüber den angemessenen christlichen Lebenswandel (die guten Werke) vernachlässigen.

Demgegenüber wird herausgestellt: Der Glaube, der sich ganz auf Gottes Barmherzigkeit gründet, erkennt in Gottes Liebe den einzigen Heilsgrund: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“(Epheser 2,8). Indem der Mensch auf Gott vertraut, erschließt er sich das Heil. Er weiß sich in Gottes Liebe geborgen. Diese Glaubensgewißheit wiederum befähigt den Christen zum Tun des Guten. Die guten Werke sind also Folge und Ausdruck des Vertrauens auf Gottes Gnade. Sie sind aber keinesfalls Vorbedingung für das Heil.

Auch in den anderen Artikeln ist stets vorausgesetzt, daß allein Gott die Heilsursache ist, daß Gott uns zugute handelt, während der Mensch der Empfangende bleibt.

Diese Einsicht „entkrampft“ die christliche Frömmigkeit, heilt die „Verwerfungsangst“, befreit vom religiösen Leistungsdruck, erlöst zur „Freiheit der Kinder Gottes“.

 

(Christof Schumann)

Reformationskalenderblatt für Februar: Philipp Jacob Spener

Liebe Leser,

Am 5. Februar 1705 starb in Berlin der Pfarrer Philipp Jakob Spener im Alter von 70 Jahren. Geboren 1635 in Rappoltsweiler im Elsass wuchs er in einer frommen Juristenfamilie auf. Nach dem Studium der Theologie war er am Straßburger Münster Freiprediger. Später war er 20 Jahre lang Pfarrer in Frankfurt  am Main, fünf Jahre lang Oberhofprediger an der Dresdner Hofkirche und zuletzt 14 Jahre lang Pfarrer und Probst zu St. Nicolai in Berlin – sehr eindrucksvolle Stationen für einen Pfarrer! 

Doch was hat dieser Mann mit der Reformation zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Als Spener geboren wurde, war die Zeit der Reformation längst vorbei. Die großen Konfessionskriege zwischen Katholiken und Protestanten waren 1648 mit dem Westfälischen Friede offiziell beendet. Da war Spener gerade einmal 13 Jahre alt.

Doch Philipp Jakob Spener schrieb 1675 ein kleines Büchlein, dass zur damaligen Zeit einschlug wie eine Bombe. Der Titel des Buches lautet: „Pia desideria oder herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren Evangelischen Kirche“. Spener beschreibt in diesem Buch die Zustände der Kirche seiner Zeit und bringt sechs Reformvorschläge. Liest man dieses kleine Büchlein, so spürt an an vielen Stellen, dass es an Aktualität nicht verloren hat:

Die Kirche Jesu gibt für Spener ein jammervolles Bild. Der Glaube ist in den Gemeinde verflacht, selbst unter den Geistlichen mangelt es an lebendigen Gottvertrauen. Die Folge ist ein innerer Zerfall der Kirche. Eine solche Kirche hat keine Kraft, das Evangelium fröhlich und mutig weiter zu tragen.

Doch was hilft dagegen? Vor allem die ersten drei Vorschläge sind heute noch bedenkenswert:

1)    „Das Wort Gottes ist reichlicher unter uns zu bringen.“ Spener fordert hier neben guten, tiefgründigen Predigten vor allem die Förderung der persönlichen Bibellese und die Förderung von Bibelstunden. Ganz nach dem Motto: Nur wer Gottes Wort kennt, kann auch nach Gottes Willen leben.

      Die Bibelstunden gibt es noch heute. Doch angesichts der Teilnehmerzahl muss man sagen, sie führen eher ein Schattendasein. Bei der persönlichen Bibellese prüfe jeder und jede sich selbst. Spener hätte zu seiner Zeit seine Glaubensgeschwister gefragt: „Wie oft hast du die Bibel gelesen?“ Ich glaube, uns könnte er heute lediglich fragen: „Hast du die Bibel überhaupt einmal durchgelesen?“

2)    „Aufrichtung und fleißige Übung des geistlichen Priestertums“: Gemeinde sind nicht die Pfarrer und die hauptamtlichen Mitarbeiter. Gemeinde ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Das Gemeindeleben wird deshalb von allen getragen. Das gilt auch für das Predigtamt. Natürlich sind Pfarrer eingesetzt zur öffentlichen Wortverkündigung, aber eben nicht als alleinige Wortverkündiger. Jeder Christ ist dazu verpflichtet seine Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn „zu ermahnen, zu bekehren, zu erbauen, für alle zu beten und für ihre Seligkeit nach Möglichkeit zu sorgen“.

      Stellen Sie sich einmal vor, jeder Christ würde damit ernst machen! Sähen unsere Gemeinden dann nicht ganz anders aus – lebendiger, vielfältiger?

3)    „Das Christentum besteht nicht im Wissen sondern in der Tat.“ Was Gott uns schenkt, muss im Alltag sichtbar werden. Das im Wort Gottes Gehörte möchte in die Praxis kommen. Gott schenkt uns seine Liebe. So zeigt sich wahrer Glaube laut Spener in der tätigen Liebe.

      Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wo Christen die Liebe Gottes leben, werden Menschen berührt und mit Gott in Verbindung gebracht – mehr als alle Predigten es tun können.

Diese kleine Schrift war kein theoretischer Entwurf Philipp Jakob Speners. Er hat dies in seinem eigenen Leben und Wirken selbst umgesetzt. Dadurch wurde Spener zum Vater des Pietismus und zu einem Reformator nach der Reformation.

Uns bleiben vor allem diese drei Vorschläge Speners als Aufgabe, um Gottes Wirken in den Gemeinden sichtbar werden zu lassen.

Autor: Pfarrer Matthias Lehmann, Eibenstock