Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

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Sich tragen lassen:

(Gedanken zum Monatsspruch für Mai 2018)

 

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1)

 

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort „Glauben“ im Sinne von „Für-wahr-Halten“ verwendet: Man glaubt, daß eine bestimmte Behauptung wahr sei. Das betrifft jede Aussage, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen läßt: Hier bleiben nur drei  Möglichkeiten: entweder der Behauptung Glauben zu schenken oder diese Aussage als Unsinn abzutun. Die dritte Möglichkeit ist das Hin-und Herschwanken zwischen dem Für-wahr-Halten und der Ablehnung einer Behauptung: Dann zweifeln wir an dem Wahrheitsgehalt der Aussage. Der Zweifelnde möchte vielleicht gerne der Botschaft glauben, aber er kann es nicht – jedenfalls nicht hundertprozentig.

Nun verwendet die Bibel das Wort „Glauben“ zumeist in einem wesentlich grundsätzlicheren Sinn: nämlich in der Bedeutung von „Vertrauen“. Wörtlich übersetzt bedeutet das biblische Wort für Vertrauen: „sich tragen lassen“ oder „sich stützen auf“, meint also: sich vorbehaltlos einlassen auf Gottes Treue.

Von hier aus erscheint das Gottvertrauen als eine passive Haltung, als ein Verzicht auf eigenes Absichern: Denn der Glaubende muß sich an keinen Halt angstvoll festklammern, da er sich doch von Gottes Liebe gehalten weiß. Glaube erweist sich hier als Gelassenheit, als ein „Loslassen“ von trügerischen Sicherheiten, als ein „Sich-selbst-Loslassen“, um sich ganz und gar der Wirklichkeit Gottes zu überlassen.

In diesem Zusammenhang wäre der Zweifel dann alles, was den Glaubenden an dieser vertrauensvollen Gelassenheit hindert. Die Zweifel sind dann alle inneren Widerstände, die davon abhalten, sich ganz auf Gottes Liebe zu stützen.

Diese Widerstände gehören zwar zu unserem Menschsein. Geheilt oder wenigstens gelindert werden sie zuguterletzt einzig durch die eigene Erfahrung dieser tragenden Lebenskräfte.

Dazu abschließend ein Wort von Else Rautenberg-Marx:

„Wir tanzen auf dem Seil der Welt – doch jeder, der versagt und fällt, fällt in ein Netz, weit ausgespannt – fällt tief hinein in Gottes Hand.“

Mit diesen Gedanken grüßt Sie ganz herzlich – Ihr Pfarrer Christof Schumann.